Kestener Paulinsberg

Exposition: Südosthang

Bodenart: silbergrau Schieferboden

Paulin war ein so genanntes Kollegiatstift, eine Gemeinschaft von Stiftskanonikern. Im Gegensatz zu Mönchen in Klöstern gehören diese keiner Ordensgemeinschaft an. Sie leben an einer bestimmten Kirche, in diesem Falle St. Paulin in Trier und sind für den Unterhalt der Kirche, d.h. die Gottesdienste, Vermögensverwaltung und ähnliches zuständig. Meist waren die Pauliner Stiftsherren adelig und lebten in den Stiftskurien, die heute noch teilweise rund um St. Paulin erhalten sind. Ein weiteres bekanntes Stift war St. Simeon, die Porta Nigra. Davon übrig ist der Simeonstift, der heutige Brunnenhof. Im Gegensatz zu Mönchen behalten Stiftsgeistliche ihr Vermögen und können das Stift frei verlassen, da es kein Gelübde gibt. St. Paulin gehörte zu den bekanntesten und reichsten Stiften und dort Stiftsherr zu werden war eine Ehre und mit Einkünften verbunden. Benannt ist St. Paulin nach der dem heiligen Paulinus oder Paulin geweihten Kirche, die ja heute noch existiert . Paulinus war von 346 bis 353 Bischof von Trier, stammte aus Aquitanien, also passenderweise der Gegend um Bordeaux und starb in Phrygien, heute Türkei, im Exil. Seine Reliquien liegen in der Kirche in Trier. Ebenso wie Klöster wurden diese Stifte von weltlichen Herrschern mit Vermögen ausgestattet, oft mit Grund und Boden. Der Paulinshof wurde dem Trierer Stift im 10. Jahrhundert vom ostfränkischen König Heinrich I. geschenkt, die Urkunde datiert aus Heinrichs Todesjahr 936. Mit dem Hof verbunden war neben Rechten wie Zehntrechten etc. auch die ihm zugehörigen genannten Wingerten. o So steht es im Standardwerk "Das Erzbistum Trier von Franz-Josef Heyen. Unter anderem ist von vier Picturas (Pichter) Weinbergen in Casteneith (Kesten) die Rede. Von daher erklären sich die Namen, die es ja auch identisch andernorts, bspls. in Kasel an der Ruwer gibt, von alleine. Herrenberg bezieht sich auf die Stiftsherren, die Kanoniker des Stiftes Paulin und ist ein häufiger Flurname. Bis heute ist der "Häär" im Moselfränkischen die Bezeichnung für einen Kleriker. Die Stiftsherrlichkeit endete mit der Aufhebung der Klöster und Stifte durch die Franzosen 1803. Die Franzosen zogen solche Besitztümer als Staatseigentümer ein und versteigerten sie an Privatleute. So entstanden die meisten heutigen Weingüter. Die Flurnamen blieben aber die alten.

Zurück